Blog

In diesem Blog schrieben die Delegierten der NMUN-Delegation über ihre Erfahrungen in der Vorbereitung für die Konferenz in New York 2017 und lassen Erlebtes Revue passieren.


Die NMUN in New York

geschrieben 2017-04-20
von Thomas Lingemann (NMUN-Delegation 2017)

Am Montag ging es für die ersten los. In reduzierter Mannschaftsstärke trafen die ersten acht trotz Flughafenstreik in unserem Loft in Bushwick, New York zusammen. Noch in der Nacht stellten wir fest, dass für den nächsten Tag ein Blizzard angekündigt war, „it’s a good day to stay at home“, stellte der Gouvernour von New York fest.
Aber das konnte uns natürlich nicht abhalten. Todesmutig wagten wir uns raus in den Schneesturm, und konnten die Stadt in einem anderen Licht kennenlernen, mit leeren Straßen, weißen Fußwegen und nassen Füßen. Im überraschend ruhigen Central Park konnten wir bei einer Schneeballschlacht die ersten Fans kennenlernen, eine Gruppe Schüler aus dem Süden.

new york schneeballschlacht new york schnee
Der Blizzard hatte aber einen anderen, sehr unangenehmen Effekt für uns. So konnten Mandy und Zoë statt wie geplant am Dienstag erst am Mittwoch und Freitag zu uns stoßen. Wir haben sie umso herzlicher aufgenommen, und als Tarek dazustieß, war unsere Wohnung dann auch voll belegt.
In dieser Zeit, die wir vor der Konferenz hatten, erkundeten wir auf ganz verschiedene Weise an ganz verschiedenen Orten die Stadt. So wurden wir auch in eine regionale Talkshow eingeladen, in Connecticut in der Nähe von New York City, wo wir mit jemandem, der gegenüber der UN und unseren politischen Ansichten extrem kritisch eingestellt war, unter anderem über unser Projekt und die politische Situation in Deutschland geredet haben. Den Auftritt könnt ihr euch hier ansehen.
Vom überwältigenden Manhattan über das hippe Williamsburg bis hin zu unserem Kiez, Bushwick, waren wir jedenfalls von der Stadt extrem beeindruckt, und haben die Erfahrung genossen, über diese gewonnenen Eindrücke abends und morgens zu Hause als Team noch weiter zusammen zu wachsen.

IMG_2013

DCIM100GOPRO
Als wir dann am Samstag in das Sheraton am Times Square zogen, waren wir auch endlich alle vereint. Wir verteilten uns sodann jeweils zu viert auf die Zweibettzimmer und besuchten noch ein Rules Training, bevor wir uns in Vorfreude auf den nächsten Tag, an dem die Konferenz losgehen sollte, aufs Ohr legten.
Und dann ging auch alles schon ganz schnell. Frühstücken, Konferenzkleidung überwerfen, noch die letzten Vorbereitungen treffen und eine Opening Speech schreiben (schließlich kann man mit etwas Glück gleich vorne auf der Speakers List stehen, da will man nicht ohne Text dastehen!). Dann ging es für uns als Delegation in die Opening Ceremony. Eröffnet durch eine Videobotschaft des UN-Generalsekretärs Antonio Gutierres, wandte sich Keynote Speaker Hina Shamsi unter dem Motto “everyone is welcome here“ an uns und gegen die derzeitige Einreisepolitik der USA, um die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit zu betonen und uns Mut zu geben, uns einzusetzen.
Von da ging es direkt in die ersten Sessions. Man tauschte Visitenkarten aus, besprach sich, welches Thema man als erstes diskutieren möchte („Agenda Setting“), und die ersten durften auch schon eine Rede halten. Beendet wurde die Session durch eine erste Abstimmung, und das Thema für die nächsten Tage war damit klar.

IMG_2106Bildschirmfoto 2017-04-20 um 22.09.58
Auf dem Weg in die Zimmer wurden wir direkt mit dem ersten Problem konfrontiert: Die Fahrstühle und die Schlangen, die sich davor ausbreiteten. Zum Glück haben wir es irgendwie reingeschafft, und nach einiger Zeit haben wir auch einen Trick gefunden, die Schlangen zu umgehen. Die 18 Stockwerke hochzulaufen, das hat jeder von uns wohl höchstens einmal gemacht!
Die Konferenz bestimmte dann maßgeblich die folgenden Tage. Morgens früh fingen wir an und arbeiteten bis spät in die Nacht. Auch nach offiziellem Konferenzende (um 11 Uhr Nacht) standen die Tastaturen bei kaum jemandem still. Zu wichtig die Perfektion der Draft Resolutions und die Teamarbeit an den gemeinsamen Entwürfen.
Zwar gab es täglich mehrmals zweistündige Pausen bei NMUN. Zwei Stunden verlaufen in Manhattan aber in einem ganz anderen Tempo als woanders auf der Welt. Als man sein Mittagessen, möglichst günstig und viel, gefunden und gegessen hat, wunderte man sich beim Blick auf die Uhr, dass die nächste Session doch nur eine halbe Stunde entfernt war. Und weil wir mit dem Fahrstuhlfahren ja bereits Erfahrung hatten, war man gut daran, auch die letzte halbe Stunde zeitlich nicht zu überschätzen.
In den Sessions selber hat man zwar meist schnell seine Gruppe gefunden, mit der man an einem Working Paper, das später zu einer Resolution werden soll, arbeiten will. Manche stellten selber ihre Gruppe zusammen und führten den Entwurf selber an, während in anderen Kommittees die Teamleitung schnell von bestimmten US-amerikanischen und kanadischen Studenten an sich gerissen wurde. Die waren meist an Universitäten, die für die Teilnahme bei NMUN und den Erfolg Credit-Points bekamen und hatten dementsprechend hohen Druck, bei den Chairs (die Moderatoren der Diskussion und gleichzeitig die „Jury“) gut anzukommen und besonders engagiert zu arbeiten.
Wir haben aber versucht, uns hinter diesen Leuten nicht zu verstecken, und das scheint auch ganz gut geklappt zu haben. In allen Kommittees haben wir erfolgreich Resolutionen entworfen, die auch am Ende gemeinsam angenommen wurden. Spannend wurde es noch einmal in der letzten Phase. Kaum hatte man die Draft Resolution fertig geschrieben, da wurde man von den Chairs gebeten, sie doch zu „mergen“, also sie mit der Draft Resolution einer anderen Gruppe zu verschmelzen. Also nochmal zusammensetzen, teilweise in riesigen Scharen, und gemeinsam aushandeln, was in der Resolution bleiben darf, oder was nicht kompromissfähig ist. Am Ende stand dann die Merged Resolution, über die im Kommittee abgestimmt wurde.

Bildschirmfoto 2017-04-20 um 22.08.38
Ich kann nur für die UNEA (United Nations Environment Assembly) sprechen, dort herrschte jedenfalls großer Konsens, und alle Resolutionen sind erfolgreich angenommen worden. Ein großer Erfolg für das Kommittee und alle Beteiligten!
Nach der Abstimmung – die erste Party! In einem Rooftop am Wasser auf zwei Stockwerken konnte man sich endlich gefühlt zum ersten Mal mit den Delegierten, mit denen man vorher noch zusammengearbeitet hat, auch privat unterhalten, um die internationale Zusammenarbeit nicht modellhaft in der Konferenz zu belassen, sondern real umzusetzen und viele neue Leute aus aller Welt kennenlernen!
Am nächsten Morgen ging es für die Delegierten aus GA1, GA2 und GA3 dann in das Objekt der Begierde – die UN General Assembly Hall. Hier wurden noch einmal alle angenommenen Resolutionen der GA besprochen und abgestimmt. Tarek durfte sogar 15 Sekunden lang über die echten UN-Mikrophone sprechen!

IMG_1162
Nachdem die Abstimmung vorbei war, durften dann auch alle anderen in die heiligen Hallen, um der Closing Ceremony beizuwohnen, wo wir mit einer Einladung zur NMUN auf den Galapagos-Inseln und einem Honourable Mention Award verabschiedet wurden.

IMG_2157
Abends, nachdem der letzte Tag mit Shopping und Pizza verbracht wurde, ging es dann auf den Delegates Dance. Was formell nach einem Ballabend mit schicken Klamotten klingt, erwies sich tatsächlich als eine riesige, mehrstöckige Party, auf der wir gemeinsam unseren letzten Abend feiern und ausklingen lassen konnten.
Am morgen mussten wir aus dem Hotel und nach und nach fuhren diejenigen, die am Tag zurückflogen, in Richtung der verschiedenen Flughäfen New Yorks. Einige, die vorher nicht dabei sein konnten, entschieden sich zu einer nachträglichen Zeit in New York, um die Stadt, die man bisher vor allem vom Hotelzimmer aus sehen konnte, richtig kennenzulernen.

Auch für Milena war mit der Ankunft zu Hause noch nicht alles vorbei. Sie musste gleich am nächsten Tag, mit Jetlag und wenig Vorbereitungszeit in das WDR-Studio in Münster kommen, um in der Lokalzeit Münster Rede und Antwort zu stehen.

Nun sind wir alle wieder zu Hause und konnten die ganze Reise und Konferenz Revue passieren lassen. Es war für uns alle eine sehr intensive Erfahrung, aus der wir großartige Bekanntschaften und Eindrücke mitnehmen konnten. Es gibt wohl kaum eine Konferenz, die die United Nations so authentisch und realistisch nachstellt wie die NMUN in New York. Auch aus diesem Grund sind wir sehr dankbar und froh, dass wir die Möglichkeit dazu bekommen haben, dieses Jahr die Delegation des Münster MUN e.V. stellen zu dürfen, und Haiti international vertreten zu dürfen!


Unser Projekt Tombola

geschrieben 2017-03-06
von Milena Hoppe (NMUN-Delegation 2017)

Neben der inhaltlichen Vorbereitung machen wir uns natürlich auch Gedanken darüber, wie wir die Teilnehmerkosten von insgesamt knapp 20.000 Euro stemmen können. Wie in dem Bericht aus Berlin schon anklang, kam uns dazu in einem Berliner Törtchencafe der Einfall, eine Tombola zu veranstalten. Alle waren von der Idee sofort begeistert und so begannen wir mit den ersten Planungen. Welche Gewinne konnten wir verlosen? Woher sollen die kommen? Was für ein Losverfahren wollen wir anwenden? Wie viele Lose wollen wir verkaufen?

All diese Fragen klärten sich im Laufe der nächsten Wochen zum Glück relativ schnell, da wir in Münster auf eine große Bereitschaft des Einzelhandels und der Gastronomie stießen. Auf unsere Anfragen nach Sachspenden oder Gutscheinen kamen oft großzügige Beiträge, sodass wir rasch viele Gewinne zusammen bekamen. Wir freuten uns darüber, dass viele Unternehmer unser Projekt gut hießen und gerne dazu beitragen wollten. So entstand eine Sammlung, die Münster gut widerspiegelt und die bunte Landschaft aus Cafes und Restaurants, Bio-Läden und Event-Attraktionen verkörperte. Da wir viele kleinere und einige größere Spenden erhielten, entschieden wir uns, zusätzlich zu den normalen Preisen Hauptpreise zu vergeben, welche bestimmten Losnummern zugeordnet waren aber erst nach Ende der Tombola verkündet wurden.

So lief die Planung zunächst einmal glatt ab. Je näher wir uns damit beschäftigten, desto mehr mussten wir feststellen, dass unser Vorhaben rechtlich nicht ganz unkompliziert war. Es gibt Bestimmungen zu der Höhe des Gesamtgewinns, der Preise, die Zahl der Lose etc.. Zudem benötigten wir eine Genehmigung von der Stadt, die Tombola durchführen zu dürfen.

Glücklicherweise konnte auch das alles schnell geregelt werden und so stand der Tombola nichts mehr im Weg. Wir packten also einige Sofortgewinne in einen Bollerwagen und zogen los. Zunächst zeigten sich die Studentenschaft und die Münsteraner etwas unsicher, doch als wir erklärten, dass durch die vielen Spendenbeiträge eine Gewinnchance von 70 Prozent bestehe, griffen doch viele in den Lostopf. Uns wurde  großes Interesse an unserem Projekt entgegengebracht und wir verbrachten viel Zeit damit, den Leuten zu erklären wer wir sind und was wir machen. Besonders durch unsere Ankündigungen auf Facebook haben uns aber auch viele erkannt und wussten bereits, worum es geht. Freuen konnten sich die Teilnehmer über Dinge wie Liba Kola, Produkte von Davert, Bücher und Gutscheine für Münsteraner Lieblinge wie die Waffelschmiede, Kaffeegießerei und viele mehr.

Nach zwei Wochen endete die Tombola und wir konnten die Gewinner der Hauptgewinne verkünden. Darunter waren Karten für das GOP Varieté Theater sowie ein Preußen Münster Spiel, eine Fahrt auf der MS Günther, ein Gutschein für ein Escape Spiel sowie für ein Outdoor Training in Münster, und zwei der unter den Studenten heiß begehrten Bib Bags. Die Gewinner wurden auf unserer Facebook Seite verkündet und freuten sich riesig!

Insgesamt war die Tombola ein voller Erfolg, der uns die Spendenbereitschaft und das Gemeinschaftsgefühl in Münster besonders vor Augen geführt hat. Wir schafften es, 1.000 Euro dadurch einzunehmen und so unserem großen Ziel New York ein Stück näher zu kommen!


Die NMUN Delegation bei URUMUN

geschrieben 2017-01-30
von Marabel Riesmeier (NMUN-Delegation 2017)

Als kleine Vorbereitung auf unsere große Reise haben 5 unserer Delegierten sich Ende November auf den Weg ins niederländische Utrecht gemacht, um dort vorab schon einmal MUN Luft zu schnuppern und ihre im Rahmen der wöchentlichen Workshops erworbenen Fähigkeiten auszutesten. Gemeinsam mit einem Teil des MUIMUN Organisationsteams (in Münster organisierte MUN im April) waren uns verschiedene Länder zugeteilt worden, auf die wir uns entsprechend vorbereiteten.

 

DSC_0247

Da die URUMUN noch eine recht junge und kleine Konferenz ist, wurden die Delegierten in lediglich 3 Komitees unterteilt, das UNHRC, DISAC und das Security Council. Bei nur knapp über 100 Teilnehmern machte unsere große Delegation aus Münster fast ¼ aller Delegierten aus, sodass sich schnell eine familiäre Atmosphäre einstellte. Auch die MUIMUN Leute integrierten uns von Anfang an super und nahmen uns in ihre Gruppe auf (Danke dafür <3, wir hatten viel Spaß mit euch).

Die Konferenz begann am Donnerstagabend mit einer Eröffnungszeremonie in einer beeindruckenden Kulisse im Wahrzeichen Utrechts, dem Dom. Nachdem wir danach im wohl teuersten schlechten Hostel ganz Utrechts eingecheckt hatten (Es gab keine Steckdosen, die Fenster ließen sich nicht schließen und mit dem Warmwasser war das auch immer ein ganz schönes Glücksspiel…) machten wir uns auf dem Weg zum ersten Social – einem Barabend, an dem wir schon erste neue Bekanntschaften machen konnten. Bei den meisten kleineren MUNs spielt die soziale Komponente eine sehr viel größere Rolle als etwa bei der NMUN in New York, so wurden die folgenden drei Tage ein Marathon aus hitzigen Debatten und anfertigen von ausgeklügelten Resolutionen gepaart mit einer Reihe von abendlichen Veranstaltungen, wie etwa besagtem Barabend, einem Pubquiz oder dem abschließenden Highlight, der Diplomatic Gala in Abendgarderobe. Jedem, der sich das mal kurz vorstellt, sollte klar sein, dass Schlaf hier eine eher zu vernachlässigende Rolle gespielt hat.

Diesem Wochenende in einem kurzen Blogeintrag detailliert gerecht zu werden würde hier in jedem Falle den Rahmen sprengen, so rekapitulieren wir einfach nochmal die Highlights unserer Reise nach Utrecht:

1. Der Dom. Ja, nicht nur bei der Eröffnungszeremonie und von außen hat er uns gefallen, der gute Dom, sondern vor allem, als wir ihn am Samstagnachmittag dann mit einer großen Gruppe erklimmen und einen atemberaubenden Ausblick über Utrecht genießen konnten. Kleiner Tipp an die Damen unter uns: Zieht bloß keine hohen Schuhe an, Mara hat das sehr bereut..(..immerhin ist dieser Turm stolze 112 Meter hoch!) Und sowieso, bleibt lieber unten, wenn ihr Platzangst habt!

2. Die Ausstattung in der Universität – ein frisch restaurierter Altbau, der viele Arbeitsplätze bietet und an jedem Platz eine eigene Steckdose hat – ein wahrer Traum für Studenten.

3. Das Security Council. Ja, was war denn da eigentlich los? Während UNHRC und DISAC artig der ihnen zugedachten Rolle gerecht wurden und fleißig gen Weltfrieden arbeiteten, kündigte sich im Security Council spätestens an Tag 2 die völlige Eskalation an. Durch ein so genanntes „Crisis Element“ konnten die Delegierten selbst Nachrichten ihres Landes veröffentlichen und somit das Geschehen steuerten. Dies führte ob völlig übermüdeter oder einfach durchgeknallter Delegierter letzten Endes zur Wahl eines bekannten Rappers (Kanye W.) zum US Präsidenten, der versehentlichen Zündung einer russischen Atombombe – über Russland – und diversen weiteren diplomatischen und menschlichen Problemen, die eine fiktive Realität erzeugten, in der keiner von uns mehr würde leben wollen. An dieser Stelle natürlich lediglich als Highlight erwähnt, da ein großartiges negativ Beispiel für diplomatisches Handeln und somit mehr als geeignet, um eine Menge zu lernen.

4. Die holländischen Pommes – keine weiteren Erläuterungen nötig, wir waren süchtig ab Tag 1.

5. 5 von 8 vergebenen Awards gingen nach Münster, unter anderem an unseren lieben Stefan für sein Position Paper und unseren Sonnenschein Mandy für ihre außerordentliche Arbeit als Delegierte von Ecuador.

6. Das Frühstück in unserem Hostel, mag es dort noch so komisch gerochen haben, das Frühstück war selbstgemacht und super (Pfannkuchen, Omelette etc.) – okay- Cola Zero zum Frühstück mag merkwürdig erscheinen, aber das Coffein hat uns definitiv geholfen. Generell ist so ein trashiger Hostelaufenthalt in der Retroperspektive ja irgendwie immer eine lustige Sache.

7. Team bonding – obwohl von den NMUN Leuten nur 5 Delegierte dabei waren, haben wir einander definitiv ein bisschen besser kennengelernt und sind als Team mehr zusammengewachsen.

8. Wir sind jetzt bereit, für die große Bühne in New York! Letzte Unsicherheiten sind verflogen, der MUN Spirit hat uns gepackt und wir können es kaum erwarten, uns wieder in unsere schicke Konferenzkleidung zu werfen, um uns mit den diplomatischen Problemen dieser Welt zu befassen und hoffentlich bessere Lösungen zu finden, als das Security Council bei der URUMUN.

Dem bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen, die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und wir werden Tag für Tag ein wenig aufgeregter.

Euch gefällt, was ihr lest und ihr wollt uns gern unterstützen? Besucht unsere Fundraising Seite und lasst uns eine kleine Spende da, das Karma wird euch sicher an der nächsten Straßenecke begegnen und sich revanchieren!

Bis dahin alles Gute, verfolgt weiterhin unsere Reise,

liebe Grüße von der gesamten Delegation,

eure Laura


Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

geschrieben 2017-01-20
von Milena Hoppe (NMUN-Delegation 2017)

Ganz so munter waren wir zwar noch nicht, als wir am Freitagmorgen um 5:30 in den Zug nach Berlin stiegen, dennoch freuten wir uns riesig auf unsere Reise in die Bundeshauptstadt. Auf dem Programm standen die Besuche der Haitianischen Botschaft und des Auswärtigen Amtes, ein Worskshop zum Thema Leadership und Freizeitprogramm, um sich nochmal richtig intensiv in der Gruppe kennen zu lernen.

In Berlin angekommen bezogen wir erst einmal unser Hostel. Nachdem sich alle etwas aufgefrischt und einen kleinen Garderobenwechsel vollbracht hatten, ging es auch schon zur Haitianischen Botschaft. Dort hatten wir einen Termin ausgemacht und wurden auch herzlichst empfangen. Zwar wunderte man sich wohl etwas über unsere exakte Pünktlichkeit, dennoch waren im Konferenzraum rasch haitianische Spezialitäten angerichtet und wir konnten beginnen.

Zuerst erklärten wir Frau Michele Dominique Raymond, der Botschaftsrätin und ihrem Kollegen was genau wir im März in New York vorhaben und weshalb wir zu ihnen gekommen sind. Wirklich gut vorbereitet konnten sie uns sofort in einem Wechsel aus Vortrag ihrerseits und Fragen unsererseits Auskunft über das Land, die politische Situation, das problematische Gesundheitswesen, Bildung und Tourismus geben.

Wir lernten, dass in den Krankenhäusern ein permanenter Mangel an Materialien herrscht und sie völlig überlastet sind. Positiv sei jedoch zu beobachten, dass die Bekämpfung der Verbreitung von HIV/Aids sehr gut voranschreite und prognostiziert wird, dass es im Jahr 2030 keine Neuansteckungen mehr geben wird.
Im Bereich Bildung ist vor allem problematisch, dass nur 5% der Staatsausgaben auf den Bildungssektor entfallen und der Zugang zu Bildung für einen großen Teil der Bevölkerung beschränkt ist. So können ein Drittel der Bevölkerung weder lesen noch schreiben.
Während Haiti wenig mit globalen Umweltthemen wie Klimaerwärmung oder Verschmutzung der Ozeane zu kämpfen hat, liegt ihr größtes Problem in der Abholzung der eigenen Wälder: 90% der Wälder sind laut der Botschafterin bereits der Kohleproduktion zum Opfer gefallen. Die dadurch entstehenden Bodenerosionen machen der ohnehin nicht allzu starken Landwirtschaft zu schaffen. Die Landeseigene Produktion von Gütern zum Exportieren beschränkt sich hauptsächlich auf Kakao, Kaffee und Rum. Ansonsten wird nur der eigene Markt versorgt.
Bei all diesen Problemen geht die Entwicklung des Tourismus etwas unter, was auch an den fehlenden Investitionen aus dem Ausland liegt. Nichtsdestotrotz lohnt sich laut der Botschafterin ein Besuch der wunderschönen Strände und beeindruckender Landschaften.

Besonders eindrucksvoll war es für uns, auch einen Einblick in die Mentalität der Menschen zu bekommen, von der uns Frau Raymond ebenfalls erzählte. Sie berichtete von persönlichen Begegnungen mit Menschen, die sie in besonderer Weise berührt haben, und war erfüllt von Stolz, als sie von der Güte und Selbstlosigkeit der Menschen sprach. Sie erzählte uns von Kindern, die bettelnd auf der Straße saßen und doch anboten, ihr Geld für Lebensmittel zu leihen oder einem Fischerjungen, der ihr seine einzige Mahlzeit, eine einzelne Mango, schenken wollte.

So schlossen wir nach über drei Stunden intensiven Gesprächs mit einem wirklich authentischen, wenn auch keinesfalls durchweg positiven Eindruck eines Landes mit großen Problemen, den Besuch bei der Botschaft ab. Die Reise und die Stunden in der Botschaft hatten an uns allen gezehrt und so beschlossen wir, uns zunächst in einem nahe gelegenen indischen Restaurant zu stärken. Viel Zeit zur Verarbeitung der Informationen und Eindrücke blieb allerdings nicht, da am Nachmittag auch der Besuch des Auswärtigen Amtes anstand.

Dort wurden wir eine Stunde später von Herrn Hoelscher-Obermaier in Empfang genommen. Er uns deine Kollegin berichteten uns ebenfalls von den Problemen des sehr armen Landes. Wir erfuhren auch von der politischen Krise, in der sich Haiti seit der Präsidentenwahl im Jahr 2015 befindet. Wir besprachen aus einer etwas anderen Perspektive als zuvor, ob und wie Friedenseinsätze der Vereinten Nationen eine Lösung bringen können oder wer in den Vereinten Nationen die rechtliche Verantwortung für Geschehnisse trägt. Besonders interessant für uns als zukünftige Delegierte war, dass wir auch Tipps bekamen, zu welchen Ländern Haiti gute Beziehungen hat.

Völlig erschöpft machten wir uns auf den Weg zum Hostel, um von dort aus Pläne für den Abend zu schmiede. Wir einigten uns darauf, erst einmal etwas zu essen und danach in eine Bar zu gehen. Thomas, der in Berlin heimisch ist, führte uns zu einer gemütlichen, dunklen, mit Kickern ausgestattete Bar mit Wohnzimmerflair, dessen wahres Highlight sich erst im hintersten Zimmer offenbarte: eine kleine Bühne mit Instrumenten, die jedem mit und auch ohne musikalischem Talent bereitstanden. Dort verbrachten wir einen geselligen Abend, der für manche in der späten Nacht, für andere auch erst in den frühen Morgenstunden endete.

Hätte am nächsten Tag nicht so eine Verwirrung bezüglich der Wahl der Verkehrsmittel geherrscht, wären wir natürlich auch wie gewohnt pünktlich zum Workshop mit Sarah, einer ehemaligen Delegierten, erschienen. Sarah hatte glücklicherweise Nachsehen und wir machten uns an die Arbeit. Da es um Teambuilding und Leadership ging, taten wir uns in den Teams zusammen, in denen wir auch in New York in einem Komitee sein werden. Zunächst sollten wir unseren Partner mit ganz individuellen Merkmalen vorstellen, ohne uns vorher abzusprechen. Von lange bekannten Mehrsprachigkeiten bis hin zu am Abend zuvor entdeckten Gesangskünsten war alles vertreten und wir merkten, was für ein bunter, schöner Haufen wir eigentlich sind. Nach weiteren kleineren Übungen kam es zur großen Challenge: mit fiktiven Persönlichkeiten ausgestattet mussten wir unsere Mitmenschen davon überzeugen, wieso gerade wir von dem sinkenden Schiff, auf dem wir uns alle befanden, gerettet werden sollten. Kleiner Nachteil: es fanden nur sechs von zwölf Anwesenden platz auf dem Rettungsboot. Nach einer Stunde der Gespräche und Debatten, bei dem Bündnisse entstanden, sich lösten, und wieder andere eingegangen wurden, Drohungen ausgesprochen und gefleht wurde, kam es zur Abstimmung. Wie sich rausstellte, hatte es sich ausgezahlt an die Emotionen der Mitreisenden zu appellieren und einem kleineren, aber umso stärkeren Bündnis treu zu bleiben. Unser persönlicher Held wurde aber William, der durch wilde Versprechungen und seinen Charme die Herzen aller Reisenden eroberte, um im Anschluss taktisch ausgeklügelt einen Platz im Rettungsboot zu erobern.

Zum Glück gingen wir nicht wirklich unter und so konnten wir den Nachmittag mit fantastischen Burgern aus Thomas Lieblingsladen und hausgemachten Törtchen ausklingen lassen. Bei der Gelegenheit haben wir dann in Ruhe die Planung unserer bald anstehenden Tombola beginnen können. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Runde auch schon merklich reduziert, da die ersten leider schon am Samstag abreisen mussten. Am Abend spielten wir in entspannter Runde mit ein, zwei Bier bei Anna, der Freundin von Thomas, die uns herzlich zu ihr eingeladen hatte. So konnten wir den Tag ganz entspannt bei ausklingen lassen.

Sonntag hieß es dann: Abreise! Mit gepackten Koffern sind wir erstmal in die Stadt zum Frühstücken gefahren und dann ab zum Wannsee, damit wir bevor es nach Hause geht noch ein bisschen Geschichte mitnehmen konnten. Im Haus der Wannseekonferenz, bei der 1942 unter verschiedenen anwesenden NS-Führungsmitglieder der anstehende Holocaust organisiert wurde, haben wir uns herumführen lassen. Maxi, die schon mehrmals dort war, konnte uns noch einige zusätzliche Informationen erklären. Wir empfanden es als interessant, an einem solch geschichtsträchtigen Ort die Hintergründe der Konferenz zu erfahren, aber gleichzeitig auch erschreckend, wie an einem eigentlich sehr idyllischen Ort ein Verbrechen von solchem Ausmaß koordiniert werden konnte.

Wir blicken also zurück auf drei Tage voller lustiger, frustrierter, interessanter, hoffnungsvoller und am Ende aufwühlender Gedanken, die uns gezeigt haben, dass wir nicht nur mit unserem Projekt, internationale Diplomatie zur Friedenssicherung zu lernen, sondern auch mit den Menschen, mit denen wir das Projekt angehen, alles richtig gemacht haben. Optimal vorbereitet und viele Erfahrungen reicher können wir uns nun noch mehr auf unsere anstehende Reise nach New York freuen.


Der Anfang einer langen Reise

geschrieben 2016-12-03
von Milena Hoppe (NMUN-Delegation 2017)

More than ever before in human history, we share a common destiny. We can master it only if we face it together. And that, my friends, is why we have the United Nations.
– Kofi Annan

Liebe Leser,

auch wir, die NMUN Delegation 2017 der WWU Münster haben ein gemeinsames Ziel und heißen euch herzlich willkommen, uns auf unserem Weg zu begleiten. Im März 2017 werden wir die Westfälische Wilhelms-Universität in New York auf der ältesten und wohl renommiertesten Model United Nations (kurz NMUN) Konferenz der Welt als Haiti vertreten.

Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Vom grandiosen Koordinator Stefan, der Medizin studiert, über die Chemikerin Marabel, die stets direkt aus dem Labor zu den NMUN Treffen eilt, bis zu Dominique und Alina, die Public Governance Across Borders studieren und jede Woche eigens aus Enschede anreisen. Ansonsten findet man bei uns – es liegt vielleicht in der Natur der Sache – angehende Juristen und Politikwissenschaftler und Studenten der interdisziplinären Studiengänge Wirtschaft und Recht bzw. Politik und Recht.

Um euch einen richtigen Einblick in die Organisation und die Abläufe der Delegation von Anfang an zu geben, bewegen wir uns zurück in den Monat Juli. Da alles rund um die NMUN von Studenten organisiert wird, ist es auch stets Aufgabe der aktuellen Delegation, ihre Nachfolger zu bestimmen. Nach einem schriftlichen Bewerbungsverfahren und einem persönlichen Auswahlgespräch erhielten im Juli 16 glückliche Münsteraner Studenten eine Zusage für 2017.

Bei einem Kick-off Treffen mit den erfahrenen Delegierten konnten erste Fragen geklärt und Kontakte geknüpft werden. Wie lange das eigentlich schon her ist, merkt man vor allem an unseren wöchentlichen Treffen: waren am Anfang noch alle etwas schüchtern und verhalten, wird nun munter herumgealbert und gescherzt.

Jede Woche dienstags treffen wir uns um 19 Uhr im AFO-Gebäude der WWU. Viele von uns sind First Timer, waren also noch nie Delegierte bei einer MUN. Daher, und auch weil NMUN doch einen etwas anderen Ablauf hat als kleinere Konferenzen, gibt es jede Woche einen Workshop in Zusammenarbeit mit dem Münster MUN e.V. zur inhaltlichen und formalen Vorbereitung auf die Konferenz, bei dem auch andere Studenten der WWU herzlich willkommen sind. Letzte Woche hat uns Jule vom Münster MUN e.V. einen Vortrag über das System der Vereinten Nationen gehalten, gespickt mit Fragen für deren richtige Beantwortung man stets mit Süßigkeiten belohnt wurde (so ist das nicht immer, aber herzlichen Dank an Jule 🙂 ).

Eine solche Reise erfordert natürlich nicht nur inhaltliche Vorbereitung, sondern auch eine ganze Palette organisatorischer Tätigkeiten. So teilten wir uns, wie die UN, in Komitees auf. Zoë und Stefan wurden unsere Koordinatoren, quasi Mama und Papa der Delegation. Sie erinnern uns an wichtige Deadlines, anstehende Zahlungen und fassen für uns alles, was gerade so passiert, in ihrer wöchentlichen Monday Mail zusammen. Die beiden kann man, das wissen wir seit gestern, auch mal morgens um 6 aus dem Bett klingeln, wenn irgendwas nicht so funktioniert wie geplant. Weiterhin kümmert sich unser Fundraising-Team darum, unsere Reise ausreichend zu finanzieren. Das gesammelte Geld gibt vor allem das Logistics-Team aus, das für Hotel- und Flugbuchungen zuständig ist. Unser Wächter über das Geld, zuständig für Überweisungen und Zahlungen aller Art, ist das Accountancy-Team. Verantwortlich für den Auftritt der Delegation im Internet und in den sozialen Medien ist unser PR-Team, das sich um jede Art von Öffentlichkeitsarbeit kümmert und auch diesen Blog hier ins Leben gerufen hat. Ein für uns persönlich sehr wichtiges Team ist der Keksdienst, der Jede Woche Reihum von einem Team erfüllt wird, damit bei unseren Treffen auch ja niemand hungern muss 🙂

Abgesehen von inhaltlicher und organisatorischer Vorbereitung ist es uns natürlich auch wichtig, einander besser kennenzulernen und als Gruppe zusammenzuwachsen. So trafen sich einige von uns bei der vom Münster MUN e.V. organisierten MUIMUN Party oder verfolgten fassungslos die US-Wahlen bei der großartigen Gastgeberin Mandy. In den nächsten Wochen haben wir noch viel vor, worüber wir in diesem Blog berichten werden. Da jedes Team wichtige Funktionen innerhalb der Gruppe erfüllt, wird ab sofort jede Woche ein Blogbeitrag von einem anderen Team erscheinen.

Also: Falls ihr euch für MUNs interessiert, vielleicht selber mal Lust habt, als Delegierter an einer Konferenz teilzunehmen, oder gar NMUN 2018 ins Visier genommen habt – begleitet uns auf unserem Weg und lest unseren Blog! 🙂

Liebe Grüße und bis nächste Woche,

die NMUN Delegation 2017

Laura (Logistics)


^