Die UN direkt vor der Haustür – Mit dem Münster MUN e. V. auf den Spuren der internationalen Politik in Bonn

geschrieben 2018-02-01
von Jana Bömer

Wer sehnt sich schon nach New York, Nairobi oder Genf, wenn die Vereinten Nationen doch tatsächlich vor der eigenen Haustür liegen? Naja, zumindest im Geltungsraum unseres lieben Semestertickets. Mit seiner ersten projektübergreifenden Vereinsfahrt führte uns der Münster MUN e.V. in die deutsche Stadt der Vereinten Nationen: Bonn. Dabei standen nicht nur ein Besuch im Bonner UN-Tower, dem „langen Eugen“, und ein thematischer Streifzug durch verschiedene Themen der aktuellen UN-Agenda auf dem Programm, sondern natürlich auch ein ganz realer Streifzug durch die Straßen (und Kneipen), in denen zumindest die ein oder andere Randbemerkung der internationalen Geschichte geschrieben wurde.

Wirft man einen Blick über das Bonner Rheinufer, so ragt der lange Eugen prominent hervor: Früher Sitz der Abgeordnetenbüros des deutschen Bundestages, beherbergen das bis zur Errichtung des benachbarten Posttowers größte Gebäude Bonns sowie der umliegende UN-Campus ganze 20 Organisationen und rund internationale 1000 Mitarbeiter. Karl Prinz, ehemaliger deutscher Botschafter, führte uns in die Entstehungsgeschichte der Vereinten Nationen in Bonn ein und verriet uns, dass wir es wohl dem ehemaligen UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali zu verdanken haben, dass Deutschland kurz nach der Wiedervereinigung wieder Sitz einer internationalen Organisation wurde. Auch wenn Bonn sich an diesem Tag unter einer dichten Nebeldecke versteckte, genossen wir im Dachgeschoss des langen Eugens den, mehr oder weniger, grandiosen Panoramablick und versuchten zusammen mit Herrn Prinz in der Ferne die verbliebenen Relikte der Bonner Bundesrepublik auszumachen.

Als Heimat des Sekretariats der Klimarahmenkonvention und Austragungsort der letzten Weltklimakonferenz, stand unser Besuch auf dem Bonner UN-Campus zunächst ganz im Zeichen des Klimawandels. So diskutierten wir mit einem Mitarbeiter des Klimasekretariats die aktuellen Herausforderungen der internationalen Klimapolitik. Während der Ausstieg der Trump-Administration aus dem Pariser Abkommen in den USA von einer urbanen und unternehmerischen „Koalition der Willingen“ aufgefangen wird, scheinen die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft noch immer weit hinter den zu erwartenden Klimafolgen zurückzubleiben. Von der notwendigen infrastrukturellen Anpassung in bedrohten Küstenregionen, Nahrungsmittel(un)sicherheit bis hin zum Klima als Fluchtursache: Der Klimawandel scheint allgegenwärtig und die Arbeit der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet wichtiger denn je.

Doch die aktuelle Agenda der UN erschöpft sich an weitaus mehr als dem Jahrhundertziel einer nachhaltigen Wirtschaft. So nutzten wir am zweiten Tag unserer Fahrt die Gelegenheit vom gebündelten Expertisenschatz unserer Vereinsmitglieder zu profitieren und hörten und diskutierten über internationale Handelspolitik, bewaffnete Konflikte und humanitäre Hilfe. Abgerundet wurde unser Workshopprogramm durch zwei Sondergäste: Elizabeth Reichardt, amerikanische Nachwuchsjournalistin und Fulbright-Stipendiatin, gab uns einen Einblick in ihre Forschung zu erneuerbaren Energien und stattete uns mit präsentablen Argumenten aus, die einfach jeden Kohlebefürworter von der Notwendigkeit einer globalen Energiewende überzeugen mussten. Paul Fabel ist für uns sogar den Weg aus Paris angetreten und berichtete uns über seine Arbeit im Bereich des Kulturgüterschutzes bei der UNESCO.

Und was hat das nun alles wieder mit Bonn zu tun? Schlendert man durch die Bonner Innenstadt, begegnet man an jeder Ecke den Spuren der internationalen Politik. Anstatt gemütlich schlendern zu können, wurden die Teilnehmer an diesem Wochenende jedoch mit einer kleinen “Weltrettungsmission” beauftragt – nur das Sammeln von Hinweises über die Geschichte der Bonner UN-Beziehungen konnte die terroristischen Anschläge, die dem Einsatzzentrum für plötzliche Situationen (EZPS) angedroht wurden, abwenden. Welche hochrangigen UN-Funktionäre waren schon einmal im Bonner Rathaus zu Gast? Und, da wir gerade an Beethovens Geburtshaus vorbeikommen, zu welcher Gelegenheit wird in der Generalversammlung traditionell eines seiner Stücke zum Besten gegeben? Noch abends im Pub wurde an den Lösungscodes und kartographischen Hinweisen gebastelt und schlussendlich das erfolgreiche Abwenden der Apokalypse mit einem wohlverdienten Feierabendbier begossen.

So hat die Fahrt nicht nur Mitglieder ganz unterschiedlicher Vereinsprojekte zusammenbringen können, sondern vielleicht sogar den ein oder anderen überzeugt, dass die große weite Welt der internationalen Politik doch so nah liegt.

   

 


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