Sustainable growth – geht das überhaupt?

geschrieben 2015-06-27
von Jule Dunkel

macroMUN 2015, Berlin

Wachstum und Nachhaltigkeit. Zwei Begriffe die nebeneinander stehen. Jeder Begriff beinhaltet so viel, dass man ganze Bücher damit füllen kann. Sollte man nun ein Buch mit beiden Begriffen schreiben? Ist es vielleicht an der Zeit beide Begriffe miteinander in Verbindung zu setzen und die Verknüpfung zwischen ihnen zu sehen? Denn auch wenn beide Worte lediglich nebeneinander stehen, sind sie so stark miteinander verbunden, wie es heutzutage nur möglich ist. Diese Beziehung ist nicht einfach. Sie ist neu, man muss sie pflegen. Man muss ihr Freiraum geben, sie aber ständig beobachten. Und man wird feststellen, dass diese Beziehung funktionieren muss.

be.boosted stellte eine ganz innovative Konferenz auf die Beine. Klassische Komiteesitzung, individuelles Coaching und Workshops. Die Kombination dieser drei Elemente, hat die macroMUN zu dem gemacht haben was sie ist – einzigartig.

macroMUN_2015-06-21

Mit Model UN die eigenen Grenzen überschreiten

In Berlin angekommen, wurden wir im Betahaus mit einem warmen Lächeln empfangen und willkommen geheißen. Franz-Robert Klingan, stellvertretend für Bain & Company, hielt einen Vortag darüber, was es heißt als Führungsperson inspirierend für Mitarbeiter zu sein. Welche Bedeutung haben Führungskräfte in der heutigen Zeit? In Zeiten, in denen postmaterialistische Werte immer mehr an Wichtigkeit bekommen, wachsen auch die Anforderungen an die Menschen, die den Spagat zwischen marktorientierter Leitung und zwischenmenschlichem Feingefühl leisten müssen.

Im Anschluss an diesen schwungvollen Auftakt, fand Tobias Henz, einer der Gründer von be.boosted, die richtigen Worte, um alle Teilnehmer der Konferenz einzuladen, für sich selbst das bestmöglichste aus dieser Model UN zu herauszuholen und über die eigenen – vermeintlichen – Grenzen hinauszuwachsen.

Model UN ist nicht nur eine besonders gute Möglichkeit um mehr über die Vereinten Nationen, ihre Funktionsweise, die Arbeit als (Mini-)Diplomat und über Softskills zu erfahren und seine Fähigkeiten zu verbessern, sondern auch um neue Freundschaften zu schließen. Da dies den Veranstaltern der macroMUN natürlich bekannt war und man gewiss leichter ins Gespräch kommt, wenn es etwas zu Essen gibt, fand ein geselliges Abendessen im Betahaus statt. Bei Burgern, Bier und bester Laune, konnten wir den Abend wunderbar ausklingen lassen. Die herrschende Atmosphäre war sehr angenehm, weil sich Chairs, Teilnehmer, Organisatoren und der Keynote-Speaker, Herr Klingan, vermischten und jeder neue Kontakte knüpften konnte.

Kaffee, Coaching, Koalitionen

6.45 Uhr. Der Wecker klingelt. Aufstehen? Och … Moment! Es ist Samstag, wir sind in Berlin und es ist macroMUN – Raus aus den Federn! Die Männer zogen ihre schönsten Anzüge an, die Frauen trugen ihr liebstes Lieblingsstück, bewaffneten sich mit Blasenpflastern und ab in die hohen Schuhe. So stiefelten wir von unserem Hostel zur Bahnstation, und stiegen einerseits schläfrig, anderseits unglaublich vorfreudig in die Bahn, die uns direkt zum Wilhelminencampus brachte. Die Organisatoren hatten an alles gedacht – Wasser, Äpfel, Orangen, und was natürlich nicht fehlen durfte: Kaffee! Das Sponsoring von Coffee Circle machte es möglich, dass man von dem dunkeln Nass mehr als genug bekommen konnte. Mit Koffein gewappnet ging es in die erste Komiteesitzung. In dem Rollenspiel, waren neben den „gewöhnlichen“ Staatsrepräsentanten auch Lobbyisten und Wissenschaftler vertreten, wodurch der Debatte nochmals ein ganz besonderer Schliff verliehen wurde.
Da stand man also nun. „Sustainable Growth“. Und jetzt? Bei der macroMUN waren viele Teilnehmer, die diese Konferenz als Auftakt für ihren Einstieg in die Model-UN-Welt nahmen, wodurch es zu einem bunten Mix aus Teilnehmern kam. Viele Reden wurden behalten, in denen auf die Wichtigkeit des Zusammenhangs zwischen Nachhaltigkeit und Wachstum aufmerksam gemacht wurde, doch wie man diese Brücke bauen könnte, beziehungsweise verfestigen könnte, war genau das beabsichtigte Problem. Doch statt einem problemorientieren Arbeiten, begann ein solches, das an Lösungen interessiert war. Mit dem Bewusstsein für Herausforderungen und dem Willen nach positiven Veränderungen, ging es in eine Pause um an den bereits erwähnten Workshops teilnehmen zu können.
Von Bain & Company wurde ein Workshop angeboten, der an die Rede vom Vortag anschloss: Inspirational Leadership. be.boosed bot parallel dazu einen nicht minderwichtigen Workshop zum Thema „Leading Change“ an. Was bedeutet es Veränderungen anzuleiten? Was bedeutet es mit den Konsequenzen einer Veränderung zu leben? Und generell, wie verändere ich überhaupt irgendetwas? Sei dir deiner Stärken bewusst! Kehre Stärken in den Vordergrund und sei authentisch. Bei diesem Workshop wurde uns erst richtig bewusst, was es heißt etwas zu verändern. Man sollte sich im Vorhinein die Veränderung vorstellen und sich klarmachen, was es bedeutet mit dieser zu leben. Ist sie temporär oder auf Dauer? Ist sie eigenständig, oder von zu vielen „wenn“ und „aber“ Konstellationen umgeben?
Vom Workshop aus ging es über in ein leckeres Mittagessen. Stagnierten die Verhandlungen während der Mittagspause? Nein. „Negotiations are everywhere“. Punkt Nummer eins im Negotiation Survival Guide. Es wurde sich durchgängig mit Länder-, Unternehmens-, oder Institutsnamen angesprochen und stets versucht weitere Repräsentanten von dem eigenen Vorhaben zu überzeugen.
Als es in die nächste Komiteesitzung ging, hieß es für einige jedoch: It is time for your individual coaching! Anne-Louise Meyer war eine der wunderbaren Coaches und ich bin sehr dankbar, dass ich einer ihrer Schützlinge sein durfte. Bereits im Vorfeld hatte ein ausführliches Skype-Gespräch stattgefunden, in dem es darum ging, wie ich meine Persönlichkeit mit dem von mir zu repräsentierenden Land in Einklang bringen kann. Anne verstand es, die richtigen Fragen zu stellen um herauszukitzeln, was es für ein Mensch ist, der dort in einem steckt; wo die Schwächen und Stärken liegen; wo man etwas verbessern will, oder auch nicht. Wir erarbeiteten drei konkrete Ziele für die macroMUN, die es zu erreichen galt. In erster Linie ging es bei dem Coaching darum zu erfahren, wo man derzeit steht, und wohin man will – sowohl in akademischer, als auch in persönlicher Hinsicht. Dadurch, dass diese Coachings jedoch während der Sitzung stattfanden, verpasste man leider etwas von der Debatte und musste sich, zurück im Komitee, erst einmal wieder nach oben kämpfen. Annäherungsversuche, Angebote, Vorwürfe, Vorschläge – Diplomatie. In jeder Rede steckte enorm viel von der Person die sie hielt, als auch von dem Charakter den sie zu vertreten hatte. Was war also der Schlüssel dazu, wie man eine Position, die nicht die eigene ist, vertreten kann? – Schauspielern. Die geballte Macht der Worte rollte auf die Delegierten ein und hüllte sie in ihren Mantel. Während dieser Sitzung wurden erste Arbeitspapiere erarbeitet und vorgestellt, denn es galt (wie immer) schnell zu sein. Man hatte noch keine konkreten Pläne? Dann begann spätestens jetzt der Wettlauf gegen die Zeit. Ein Wettlauf zugunsten des nachhaltigen Wachstums.
Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut um den Teilnehmern noch ein Vortrag von Bertelsmann zu ermöglichen. Pam Taylor und Nina Helbach gaben einen Einblick in die verschiedensten Arbeitsbereiche bei Bertelsmann und luden zu einem weiteren persönlichen Gespräch ein, um noch weitere offengebliebene Fragen zu beantworten.
Rima-Maria Rahal und Tobias Henz gelang es, am Ende dieses Tages die richtigen Worte zu finden, die Delegierten an die Wichtigkeit und die Bedeutung des nachhaltigen Wachstums zu erinnern, und untermauerten dieses ihnen am Herzen liegende Thema mit einem abschließenden Expert Panel. Edward Silva von Henlight, Dr. Christian Neuhaus von FUTUREAFFAIRS und Dr. Edgar Göll, der sich im Rahmen der Forschung mit nachhaltiger Entwicklung befasst, ermöglichten den Delegierten, die Debatte und die gesamte Konferenz noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und zu beleuchten. Mit diesen neuen Perspektiven ließen wir den Abend bei passablem Wetter, gutem Essen und bester Laune ausklingen. Beim großen Grillen an der fantastischen Spree mangelte es uns an nichts. Zu diesem Zeitpunkt haben wir das Verhandeln mal an die Seite gestellt und die Personen hinter Blazer und Sakko in Augenschein genommen.

„I am hereby communicating effectively, that I love you“

6.45 Uhr. Der Wecker klingelt. Aufstehen. Heute sollte alles schon vorbei sein? – Kaum vorstellbar. Und so taperten um 9.00 Uhr alle Teilnehmer in die zweite Runde der Workshops. Harvard Style Negotiation und Effective Communication. Mal wieder wurden die Inhalte mit Sympathie und Elan vorgestellt und ein stimmiger Mix aus Vortrag und Eigenbeteiligung entwickelt. Bei dem Workshop bezüglich Effective Communication lernten wir, wie wir eine Rede geschickt aufbauen um bei dem Empfänger gewünschte Reaktionen hervorzurufen. Das ist gar nicht mal so leicht, aber mit konkreten Tipps und Tricks von be.boosted, wurden wir immerhin auf den richtigen Weg dorthin gestoßen. Das wundervollste an diesem Workshop war eine klitzekleine Notiz auf meinem Block. Da stand zwischen mitgekrickelten Stichworten und halbangefangenen Reden: „I am hereby communicating effectively, that I love you“ und zwar von keinem Anderen als meiner wunderbaren Teamkollegin.
Weiter ging es mit Komiteesitzungen und dem Coaching. Beim Coaching hieß es nun: Wie geht es weiter? Die Konferenz neigte sich dem Ende entgegen, aber was von dem hier erlernten kann man nun für sich und seinen weiteren Werdegang mitnehmen? Wo sind Anknüpfungspunkte im eigenen Alltag? All diese Fragen wurden gestellt und wenigstens teilweise beantwortet.
Diese Konferenz mit dem individuellen Coaching war kein Allheilmittel gegen alle Schwächen, die jeder mit sich herumträgt, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, sich mal etwas mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich klar zu machen, wo man ist und wo man hin will.

Im Komitee war Endspurt angesagt. Arbeitspapiere wurden in Resolutionsentwürfe umgearbeitet in der Hoffnung als tatsächliche Resolution verabschiedet zu werden. Die Reden wurden sanfter, freundlicher, aber die Botschaften nicht weniger dringlich. Letzten Endes wurden zwei Resolutionen verabschiedet, worüber sich alle Delegierten mehr als freuten, denn das ist es schließlich worauf man hingearbeitet hat. Glücklich und zufrieden gab es schließlich noch eine letzte Kaffeerunde für alle, bei der sich herzlich bei einander für die Zusammenarbeit bedankt wurde.

Letzten Endes begaben sich die Münsteraner wieder einmal ins Auto, ließen die Konferenz revue passieren und fuhren mit einem Lächeln auf dem Gesicht gen Heimat. Es war ein anstrengendes Wochenende, aber so fühlt sich etwas Gutes an.


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