Wir haben es geschafft!

geschrieben 2015-05-12
von Franziska Hasselbach (NMUN-Delegation 2015)

…jedenfalls fast.

Liebe Leser und Interessierte, erst einmal vielen Dank für die Unterstützung, die wir von zahlreicher Seite erfahren haben! Mit der NMUN Konferenz seit fast genau einem Monat im Rücken meldet sich die Münsteraner NMUN-Delegation 2015 nun ein letztes Mal an der Blog-Front. Erschien uns das halbe Jahr an Vorbereitungszeit anfangs noch als ein weiter Ozean von unbestimmten Ausmaßen, so rückte unser gemeinsamer Trip nach New York zum Schluss immer schneller näher. Umso erschreckender erschien es uns, als wir in unserer finalen Reflexionsrunde am Ende der Konferenz feststellen mussten, dass alles schon wieder vorbei war. Wir sahen dieser Tatsache mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen: Während wir kaum realisieren konnten, wie viel Unglaubliches wir in so kurzer Zeit erleben durften, waren alle Delegierten ebenso traurig, dass unsere Reise schon zu Ende ging. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal unseren Dank aussprechen: Dieser gilt zum einen an unsere großzügigen Sponsoren, aber auch allen Verwandten und Freunden, die uns alle das letzte halbe Jahr auch mental beistanden und uns begleitet haben. Wir möchten uns auch bei den beteiligten Mitgliedern des Münster MUN e.V. bedanken. Ganz besonders möchten wir dabei dem Vorstand für die ganze Unterstützung und das offene Ohr danken, den Mitgliedern der 2014er Delegation für all die Tipps und Unterstützung durch Erfahrungsberichte und last but definitely not least der Delegationsbeauftragten des Münster MUN e.V., Isabel, für ihre unermüdliche Hilfe in Form von Probesimulationen, Position Paper Workshops, konstantem Feedback und Ermutigung! Ohne euch alle hätten wir niemals so erfolgreich abschneiden können, wie wir es getan haben. Zwei Position Paper Awards, ein Outstanding Delegate Award und der Distinguished Delegation Award sprechen für sich und für die tolle Mitarbeit und Unterstützung aller über das letzte halbe Jahr.

Vom Leben auf der Konferenz – oder auch: wie man sich als Abgeordneter der UN fühlt

Ebenso schnell wie schon die Reise in die Staaten selbst rückte dann auch die Konferenz immer näher. Und so kam der Tag, an dem wir hektisch unsere Sachen packten, um in das Sheraton Hotel am Times Square umzuziehen. Glücklicherweise erklärte sich ein Fahrer der in New Jersey üblichen kleinen privaten Busunternehmen, umgangssprachlich gerne „Chicken Bus“ genannt, bereit, uns samt Gepäck und fast bis vor die Haustür des Hotels zu fahren. Während des ganzen Morgens war die Anspannung, aber auch Vorfreude unter uns fast greifbar. Plötzlich waren wir alle sehr dankbar, dass unser Coordination-Team am Wochenende das Sightseeing Programm zugunsten einer letzten intensiven Vorbereitungsphase vorläufig für beendet erklärt hatte. Wie betreibt man effektives Lobbying? Was muss man beim Redenschreiben und –vortragen beachten? Und wieviel war uns noch von unserer Vorbereitung in Bonn im Gedächtnis hängen geblieben? All dies hatte uns den vorigen Samstag beschäftigt. Auch hatten wir bereits Opening-Speeches verfasst, uns diese gegenseitig vorgetragen und versucht, an ihnen im Detail zu feilen. Denn obwohl gerade in den großen Komitees die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist, eine solche Rede am Anfang der ersten formellen Sitzungen in Bezug auf das „Agenda-Setting“, also die Festsetzung der Reihenfolge der Komiteethemen, zu halten, ist doch gerade der erste Eindruck wichtig. Außerdem wurde uns schnell bewusst, dass wir später nicht mehr so viel Zeit haben würden, um Reden zu verfassen. Denn bei NMUN gilt die Devise: Erst für die Rednerliste melden, dann über das nachdenken, was man sagen will. Nur so bekommt man dann auch tatsächlich die Möglichkeit, vielleicht sogar mehrmals während der „Formal Session“ vorne zu stehen und in rund 90 Sekunden seine Rede zu halten. Da kam gerade den Unerfahrenen unter uns diese Übung recht, nicht zuletzt, um unser Selbstvertrauen kurz vor der Konferenz noch einmal zu pushen. Zudem fand Sonntag ein Briefing bezüglich der bei NMUN vergleichsweise strengen Rules of Procedures statt, bevor es dann abends im Anschluss an Die Konferenz begann mit der offiziellen „Opening Ceremony“ und sofort danach ging es in die „Committee Sessions“ ging.

Selbst diejenigen unter uns mit mehr MUN-Erfahrung waren am Anfang aufgeregt. Da liegt es auf der Hand, wie man sich als absoluter „MUN-Frischling“ fühlt, wenn der Chair das erste Mal zum Rollcall aufruft. Doch zittrige Knie und feuchte Hände gehörten bald der Vergangenheit an. Denn sobald es an das Debattieren ging, riss uns der unwiderstehliche Sog der Konferenz bald mit. Zwar endete die Agenda nicht in allen Komitees in der Themenreihenfolge, die sich der Libanon gewünscht hatte und insbesondere zu Beginn kam bei einigen unter uns noch das Gefühl auf, ins kalte Wasser geworfen worden zu sein. Bei der größten UN-Simulation der Welt ist Überforderung auch Teil des pädagogischen Konzepts. Schnell erkannten wir, dass das Lobbying keine Sekunde endete und dass die Suche nach Verbündeten und später die Arbeit an den „Working Papers“ auch in den eigentlichen Pausenkein Ende nahm. Aber wie jedes Mal, wenn man ins Wasser springt, blieben genau zwei Möglichkeiten: aufgeben oder schwimmen lernen. Unserer Delegation ist Letzteres geglückt. Ob Wortführer bei der Arbeit der führenden Position Paper im Komitee oder Vermittler der einzelnen Gruppen: mit dem zunehmenden Gefühl von Erfolg stieg auch der Spaß an der Sache. Und schon bald hatten wir das Gefühl, nicht zuletzt dank der tollen Unterstützung unser Koordinatoren Katrin und Linus, über uns hinauszuwachsen. Besondere Highlights der Woche waren auch das „Mission Briefing“ durch die ständige Vertreterin des Libanons bei der UN sowie ein Nachmittag mit interessanten Seminare zu aktuellen Themen der Weltpolitik mit hochkarätigen Rednern. Am letzten Tag ging dann für jeden von uns ein kleiner Traum in Erfüllung, als wir zur Abstimmung über unsere Resolutionen und zur „Closing Ceremony“ am Platz des Libanons im UN-Hauptquartier standen. Gebührend abgeschlossen wurde die Konferenz im Anschluss durch den „Delegates Dance“.

Chronisch übermüdet, aber mit insgesamt vier Awards in der Hand blicken wir am Ende stolz und zufrieden auf die Konferenzwoche zurück. In den nächsten Wochen werden wir uns alle der Nachbereitung zuwenden, unter anderem auch der Zusammenstellung eines neuen, nicht minder tollen Teams für die Delegation 2016. Im vergangenen Monat ist unsere kleine „Familie“ so zusammengewachsen, dass wir uns schon freuen, alle anfallenden Aufgaben gemeinsam zu stemmen und uns dazu wiederzutreffen. Ein Gedanke vereint uns wohl nach der Zeit in New York: „So in etwa also alsohedfrfühlt sich also ein echter UN-Abgeordneter.“

Vom Urlaub im Big Apple – oder auch: wie die NMUN-Delegation 2015 New York unsicher macht

Der „Big Apple“ – Eine Bezeichnung die, obwohl sehr zutreffend, sofort belegt, dass der Sprecher Tourist in Amerikas einwohnerzahlenmäßig größten Stadt ist. Aber immerhin waren wir für eine Woche ebensolche Touristen und durften den Begriff damit legitim benutzen. Denn eine Woche vor der Konferenz machte fast unsere ganze Delegation nach getaner Arbeit eine Woche gemeinsam Urlaub in dieser einzigartigen Metropole. Was sich bereits auf der Vorbereitungsfahrt nach Bonn angedeutet hatte, verstärkte sich in dieser Woche und wir wuchsen noch stärker zusammen. Wie unsere Koordinatorin Katrin so treffend in ihrem Abschlussbericht an den Verein beschrieb, wurden wir zu einer richtigen kleinen „Familie“.
Für uns bedeutete das eine abwechslungsreiche Woche gespickt mit den klassischen Sehenswürdigkeiten wie dem Empire State Building, Manhattan bei Sonnenuntergang auf dem Top of the Rocks, einem Besuch des Times Square und der Fährfahrt zur Statue of Liberty, dem Immigration Museum auf Ellis Island, dem Ground Zero, den Museen… Doch auch echte Geheimtipps und Highlights wie ein Besuch der Daily Show oder eines Basketballspiels der New York Knicks, mein persönlicher Lieblingsspaziergang im Central Park oder aber mein Lieblings-Mexikaner in New Jersey mit herrlicher Aussicht auf die Skyline ergänzten das Programm. Deutlich leichter wurden unsere Geldbörsen auch beim Shoppen oder aber durch den unvergleichlichen Abend in einem Broadway-Musical. Zudem hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam mit einigen anderen deutschen Delegationen die deutsche Botschaft zu besuchen und uns dort zwei informative Vorträge anzuhören, bevor wir dank ein wenig Vitamin B in der Kantine der Botschaft zu Mittag essen durften. Die Liste an Eindrücken und Erlebnissen könnte man noch seitenlang weiterführen, doch wollen wir die Geduld unsere Leser an dieser Stelle nicht überstrapazieren. Feststeht nur: Wir hatten bereits vor der Konferenz selbst eine unvergleichliche Zeit die wir alle wohl nie vergessen werden!


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