Die Herausforderungen einer Resolution – Probesimulation am 25.11.

geschrieben 2014-12-12
von Franziska Hasselbach (NMUN-Delegation 2015)

Nachdem ihr letzte Woche einen kleinen Einblick in eines unserer rein organisatorischen Teamtreffen bekommen habt, erfahrt ihr nun mehr von einer unserer Probesimulationen. Diese finden in der Regel alle zwei Wochen statt und werden vom Münster MUN e.V. für alle interessierten Studierenden angeboten. Organisiert von Isabel Lischewski, der Delegationskoordinatorin des Vereins, nimmt unsere Delegation regelmäßig geschlossen teil. Diese inhaltlich auf den ersten Blick oft lustigen Übungssimulationen bereiten nicht nur uns, sondern jeden, der gerne mitmachen möchte, auf die Arbeitsabläufe während einer MUN vor. So werden uns nicht nur Soft Skills und diplomatische Sprachweise auf Englisch, sondern beispielsweise auch die Vorgehensweisen und Kompetenzen der UN-Komitees vermittelt. Jeder von uns hat bisher unterschiedlich viele Erfahrung im Model United Nations Universum gesammelt. Das reicht von dem Verein als einzigen Bezugspunkt bis hin zur Teilnahme an großen internationalen Konferenzen wie WorldMUN. Aber hiervon sollte niemand eingeschüchtert werden. Vielmehr kann man auf jeder Simulation von der Erfahrung unserer „MUN-Veteranen“ profitieren. Es gilt: Wer sich traut und den Mund aufmacht, gewinnt. Immerhin kann man nie auslernen…

Das Thema letzte Woche war es, über eine bereits ausgearbeitete Resolution abzustimmen. Eine Aufgabe, die auf den ersten Blick banal erscheinen mag, doch im Rückblick einige Fragen aufwarf.

 

Sich einigen will gelernt sein

Zunächst bekam jeder von uns einen Zettel mit der Resolution von unserem „Chair“ Isabel in die Hand gedrückt. Das Schweigen beim Lesen wurde gelegentlich von einem halb unterdrückten Kichern unterbrochen, wenn einer von uns über einen Punkt wie die „Bielefeld Declaration on the Importance of Long and Complicated Names for International Documents which Nobody Can Ever Remember“ stolperte. Über den Aufbau wurde vor Beginn der Simulation noch kein Wort verloren. Aber wir würden bald merken, dass, abgesehen von dem lustigen und kreativen Inhalt, einige wirkliche Fehler in der Resolution steckten.

Wie bereits aus den Simulationen vergangener Wochen bekannt, durfte sich nun jeder Teilnehmer ein Land ausdenken, welches er vertreten wollte. Einziges neues Kriterium war es nun jedoch (im Gegensatz zu früheren Sitzungen), dass das Land wirklich existierte und auch Teil der UN war. Bereits bei der Länderwahl galt es darauf zu achten, welche Position man später vertreten würde: Wer ein Land wählte, welches laut Zettel an der Ausarbeitung der Resolution beteiligt war – Sponsors – , verpflichtete sich dadurch automatisch, auch für deren Durchsetzung zu plädieren und abzustimmen. Anders sah das bei den sogenannten Signatory-Ländern aus. Zwar befanden sich auch deren Unterschriften auf der Resolution. Signatories wollen nämlich die Resolution besprechen und damit auch darüber abstimmen, sind aber nicht gebunden, positiv abzustimmen.

Soweit zur Vorbereitung. Hiermit eröffnete Isabel die General Speaker’s List. Sogleich eröffneten sich hitzige Argumentationen für und gegen den Aufbau von sinnlosen bürokratischen Schranken im System der UN. Was dabei als Argument angeführt wurde, war erst einmal zweitrangig. Vielmehr galt es, „in Character“ zu bleiben. Ein bezeichnendes Beispiel war unsere Repräsentantin der Volksrepublik China, die sich ohne eine Miene zu verziehen rigoros für die totale Kontrolle der Medien als einen Unterpunkt der Resolution aussprach. Glücklicherweise wurden wir bald vom verehrten Delegierten Argentiniens darauf hingewiesen, uns nicht in banalen Unterpunkten zu verlieren, sondern die Resolution als großes Ganzes nicht aus den Augen zu verlieren. Aus demselben Grunde wurden diverse „Motions of Moderated Caucus“, also Debatten über Subthemen, von der Mehrheit der Delegierten abgelehnt. Viel zu schnell war die Simulation beendet und es wurde abgestimmt. Mit knapper Mehrheit wurde die Resolution angenommen.

Jetzt begann Isabel mit einem breiten Lächeln, die Fragestunde zu eröffnen. „Was ist euch an der Resolution aufgefallen?“ Auf diese Frage hin dämmerte es einigen von uns erstmals, dass in dem vorgefertigten Zettel einige Fehler versteckt waren. Das Lächeln unseres „Chairs“ hatte mittlerweile auch einige unserer MUN-Veteranen angesteckt, die bereits im Laufe der Simulation erkannt hatten, dass nicht alles, was an Resolution vorgelegt worden war, in dieser Form möglich war. So ist beispielsweise allein der Sicherheitsrat ermächtigt, Truppen zu entsenden. Das Wissen um solche Details und Kompetenzen der UN aber auch um den Aufbau sowie die Ausarbeitung von Resolutionen ist elementarer Bestandteil bei einer MUN. So versuchen wir besonders als Delegationsteilnehmer, unser Wissen vor der Konferenz durch die regelmäßigen Probesimulationen zu optimieren.

Falls einigen von euch dieser kleine Bericht Lust auf mehr gemacht hat, seid ihr gerne eingeladen, ebenfalls an unseren Probesimulationen teilzunehmen. Wenn ihr also ein interessierter Student in Münster seid, ist euer Besuch jederzeit erwünscht. Die Simulation findet jede zweite Woche im Ifpol – SCH100.124 statt. Allgemeine Informationen findet ihr auf der Internetseite des Vereins, über die einzelnen Simulationen und Termine könnt ihr euch auf Facebook informieren, wo ihr diese immer als aktuelle Veranstaltung findet:

http://www.muenster-mun.de/projekte/workshop-programm-und-probesimulationen/

https://www.facebook.com/NMUNmuenster2015

 


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